(20.08.2026, 20:36)Jägermeister schrieb: Mit seinen Verträgen agiert der Verein sehr unglücklich, keine Frage. Im Fall Leitner sieht es etwas anders aus. Gesichert ist, der Verein war sich mit Leitner einig über eine Vertragsverlängerung über 2027 hinaus. Kurz vor der Unterschrift ist der Berater ins Spiel gekommen und ab diesem Zeitpunkt hat er das Heft des Handelns in der Hand und der Verein hat überhaupt keinen Spielraum mehr. In diesem Zusammenhang steht sicherlich die Suspendierung von Leitner, der Verein sah wahrscheinlich die einzige Chance nochmal in Verhandlungen zu treten. Warum der Berater in der AZ nachgetreten hat und den Verein verächtlich gemacht hat ist bestimmt kein großartiger Stil, der Verein war auch sichtlich sauer, er musste diese Kröte einfach schlucken. Berater sind meist sehr diskret unterwegs und es ungewöhnlich wenn sich einer in dieser Weise äußert.
Aktuell sieht es so aus: der Berater versucht möglichst schnell einen Profivertrag für Leitner rauszuverhandeln, ab da verdient erst einmal. In der RL hat er nur Kosten und investiert Zeit. Leitner wird voraussichtlich seinen Vertrag erfüllen, es sei denn es tut sich noch was in der Winterpause. Ein Wechsel innerhalb der RL macht Sinn wenn er einen besser dotierten Vertrag bekommen kann. Für den Berater fällt in diesem Fall vielleicht eine kleine Vermittlungsprovision an.
Zur Agentur selbst, einen großen Starspieler haben sich nicht im Bestand dafür aber jede Menge junger Spieler, allesamt noch ohne Marktwert bei TM. Bedeutet: viel investiert und versuchen Profiverträge rauszuhandeln . Ich hab nur flüchtig mal durchgeschaut, aber kann keinen jungen Spieler finden den sie aufgebaut haben. Ausdrücklich: nur flüchtig durchgeschaut und keine verbindliche Aussage.
In diesem Sinne hoffe ich, dass wir noch länger Freude an Leitner und natürlich an der Mannschaft haben bei allem Ärger in letzter Zeit.
Laß mich übrigens gerne belehren wenn jemand mehr weiß. Bitte aber nicht nur kritisieren sondern dann auch mit Fakten belegen. !
Ich sehe den Fall weiterhin deutlich anders, finde deinen Beitrag aber gerade deshalb interessant, weil er eine mögliche Sichtweise des Vereins beschreibt.
Bei einem Punkt würde ich allerdings gerne anfangen: Du schreibst, es sei „gesichert“, dass sich Wacker und Leitner bereits über eine Verlängerung über 2027 hinaus einig waren. Woher ist das gesichert?
Das ist keine rhetorische Frage. Wenn es dafür belastbare Informationen gibt, wäre das tatsächlich ein wichtiger neuer Aspekt. Öffentlich bekannt ist meines Wissens bislang nur, dass es Gespräche über eine Verlängerung gab. Ob bereits über sämtliche entscheidenden Punkte Einigkeit bestand, ist etwas anderes. Meine Informationen decken sich mit deiner Darstellung übrigens nicht. Aber auch die kann ich nicht öffentlich belegen. Deshalb würde ich weder deine noch meine Version momentan als gesicherte Tatsache verkaufen.
Genau da passt dein letzter Satz eigentlich ganz gut: Wenn wir Fakten verlangen, sollten wir sauber unterscheiden zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir aus dem Ablauf ableiten.
Bei der Rolle des Beraters verstehe ich deine Argumentation ebenfalls nicht ganz.
Warum hatte Wacker nach dessen Einschaltung plötzlich „überhaupt keinen Spielraum mehr“?
Der Verein konnte weiterhin ein besseres Angebot machen, über eine Ausstiegsklausel verhandeln, Bedingungen verändern oder sein bisheriges Angebot stehen lassen. Und wenn Leitner beziehungsweise sein Berater am Ende sagen: Unter diesen Bedingungen verlängern wir nicht, dann ist auch das zunächst völlig legitim. Leitner hatte schließlich einen laufenden Vertrag.
Vielleicht hilft die umgekehrte Betrachtung: Hätte Leitner nach gescheiterten Verhandlungen erklärt, er trainiere nicht mehr und wolle damit einen sofortigen Wechsel im Sommer erzwingen, wäre das für mich genauso inakzeptabel gewesen. Dann hätte der Spieler versucht, einen gültigen Vertrag mit sportlichem Druck auszuhebeln.
Das hat er aber nicht getan.
Er war offenbar bereit, seinen bestehenden Vertrag zu erfüllen. Es ging darum, ob er zusätzlich einen neuen Vertrag unterschreibt. Und genau da liegt für mich der entscheidende Unterschied.
Deshalb finde ich ausgerechnet deine Erklärung für die Suspendierung bemerkenswert:
Zitat:„Der Verein sah wahrscheinlich die einzige Chance nochmal in Verhandlungen zu treten.“
Wenn das tatsächlich so gewesen sein sollte, wäre das für mich weniger eine Entlastung des Vereins als vielmehr die Beschreibung dessen, was viele stark kritisieren.
Dann wäre eine sportliche Maßnahme eingesetzt worden, um Bewegung in eine Vertragsverhandlung zu bekommen.
Und genau dort liegt für mich die Grenze. Das bedeutet nicht, dass der Berater automatisch alles richtig gemacht hat. Seine öffentlichen Aussagen kann man kritisieren. Man kann auch der Meinung sein, eine langfristige Verlängerung in Burghausen wäre für Leitner sportlich sinnvoll gewesen.
Natürlich hätte der Verein das Fehlen Leitners im Kader irgendwie erklären müssen. Vermutlich wäre dann eine unverfängliche Begründung wie „angeschlagen“ oder „nicht einsatzfähig“ gewählt worden. Ob man eine solche kommunikative Ausweichlösung besser findet als die offen erkennbare Verknüpfung von Vertragsfrage und sportlicher Konsequenz, kann jeder für sich beurteilen.
Für mich ändert das aber nichts am Kern: Die Frage ist nicht, ob die Situation für den Verein unangenehm war, sondern ob eine Suspendierung ein legitimes Mittel sein kann, um Einfluss auf Vertragsverhandlungen zu nehmen. Und genau diese Frage beantwortet der Hinweis auf den Berater nicht.
Auch der längere Blick auf die Agentur hilft mir deshalb nicht wirklich weiter. Zumal du selbst schreibst, dass du nur flüchtig geschaut hast. Ganz ohne erfolgreich entwickelte oder vermittelte junge Spieler ist die Agentur zudem offensichtlich nicht – Naderi ist beispielsweise für eine Millionenablöse zu den Glasgow Rangers gewechselt. Aber das ist eigentlich nur eine Randnotiz.
Entscheidender finde ich etwas anderes: Die Reaktion der Mannschaft passt für mich zumindest nicht besonders gut zu der einfachen Geschichte, dass Spieler und Verein eigentlich komplett einig waren und dann ausschließlich der Berater dazwischengegangen ist. Auch das ist kein Beweis. Aber es ist ein Teil des Gesamtbildes.
Am Ende kann deine Version der Vorgeschichte durchaus stimmen. Vielleicht war man tatsächlich sehr weit, vielleicht hat der Berater die Verhandlungen anschließend komplett verändert. Selbst dann bleibt für mich aber dieselbe Frage:
Warum sollte daraus eine sportliche Konsequenz für Leitner entstehen?
Der Verein darf selbstverständlich versuchen, einen Spieler langfristig zu binden. Der Spieler darf genauso selbstverständlich entscheiden, diesen neuen Vertrag nicht zu unterschreiben.
Und falls die Suspendierung tatsächlich der Versuch gewesen sein sollte, ihn dadurch wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen, dann erklärt deine Darstellung für mich zwar, warum der Verein so gehandelt haben könnte. Sie löst aber nicht die Kritik daran.